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Programm

20.02.2008 00:00 - 18.04.2008 00:00

Ausstellung: Tomáš Džadoň - Siedlung Ždiar

Tomáš Džadoňs Arbeiten fußen auf alten Traditionen, die er zunächst als „verloren“ betrachtet – der Kommunismus sei hierfür verantwortlich. Der Künstler setzt in weiterer Folge auf das Schöpfen von Traditionen, die einer neuen Generation zur Verfügung stehen sollen – eine Auseinandersetzung mit der digitalen Welt ist hierbei entscheidend. VERNISSAGE am 19. 02., 19.00 Uhr

 

 

Das Tschechische Zentrum in Wien lädt herzlich zur Ausstellung von Tomáš Džadoňs „Siedlung Ždiar“ ein – zu sehen sind Arbeiten, in denen sich der Künstler in einer außergewöhnlichen Art und Weise der Frage widmet, inwiefern die kulturellen Traditionen seiner Heimat mit der sich wandelnden Gesellschaft kollidieren.

 

Er präsentiert Objekte, mit denen er auf das kommunistische Bau(un)wesen verweist und befasst sich zugleich damit, was denn passiert wäre, hätten die sozialistischen Bauherren die (gute) Tradition der Architektur beherzigt (und nicht leichten Herzens über Bord geworfen).

 

Tomáš Džadoňs Arbeiten fußen allesamt auf alten „Gepflogenheiten“, die er als „verloren“ betrachtet – der Kommunismus hat hier ganze Arbeit geleistet. Der Künstler setzt in weiterer Folge auf die Kreation neuer Traditionen, die einer jungen Generation bewusst gemacht werden – eine Auseinandersetzung mit der digitalen Welt ist dabei unumgänglich.

 

Man muss die digitale Welt verstehen und erfassen, um einen Gegenpol zu ihr zu bilden. Es ist ein großes Anliegen des Künstlers, das Digitale mit dem „Nicht-Digitalen“ zu infiltrieren – mit Objekten und Sachverhalten, die „Großmutters Welt“ entstammen könnten.

 

Tomáš Džadoň betont, wie wichtig bei seiner Arbeit der Humor an sich ist – wohl mit ein Grund, warum er der modernen Welt gegenüber auch positiv eingestellt bleibt. Dabei hält er wenig von theoretisch-methodischen Zugängen – ironisch sollen die Problematiken der globalen Welt auf den Punkt gebracht werden. Dies ist schließlich der erste und wichtigste Schritt, um Lösungsansätzen den Weg zu bereiten.

 

Dies überzeugte schließlich auch die Jury des "Essl Award 2007" – Tomáš Džadoň wurde mit dem ersten Platz ausgezeichnet und war bis vor kurzem in der Sammlung Essl zu bestaunen. Vornehmliches Ziel des 2005 erstmals vergebenen Awards ist es, junge Talente aus ost- und südosteuropäischen Ländern zu fördern und diese einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dass Tomáš Džadoň hierbei längst mehr als eine „Talentprobe“ abgab, ist unbestritten.

Tipp: www.tomasdzadon.com
Essl Museum, An der Donau - Au 1, 3400 Klosterneuburg, www.sammlung-essl.at


 

Dr. Jiři Ševčik eröffnete die Ausstellung im Tschechischen Zentrum mit folgenden Worten:

"Tomáš Džadoň studierte an der Hochschule der Bildenden Künste in Bratislava (Pressburg) und graduierte im Anschluss vor einem Jahr an der Akademie der Bildenden Künste in Prag. Er hat eine ganze Reihe von Ausstellungen hinter sich, erhielt im vergangenen Jahr den Essl Award und weckt in der tschechischen Szene bereits Respekt. Wenn ich diesen Künstler im Wiener oder einem weiteren Kontext vorzustellen habe, muss ich versuchen, seine künstlerische Einstellung als die eines jungen Künstlers zu charakterisieren, der zu einem sehr spezifischen Umfeld posttotalitärer mitteleuropäischer Gesellschaften gehört.

Tomáš Džadoň interessieren vor allem Unterschiede, Gegensätzlichkeiten und Konflikte: die Unterschiede, Gegensätzlichkeiten sowie Konflikte der modernen Lebensart und der kulturellen Traditionen seines eigenen slowakischen Umfeldes, das sein Ausgangspunkt ist, aber auch die Widersprüche des einstigen tschechoslowakischen Bundesstaates und schlussendlich vor allem die Gegensätzlichkeiten und Konflikte der postsozialistischen Gesellschaft, d.h. zu großen Teilen Restprobleme des alten Regimes.

Džadoň enthüllte die schwierigen Kontradiktionen des Modernismus und traditioneller Werte auf eine scheinbar einfache Art und Weise: er stellte unvereinbare Unterschiede neben oder aufeinander (ein Monument von Volksarchitektur – ein gezimmertes Gebäude (Blockhaus) der Volksarchitektur auf dem Dach eines Plattenbaus in einer Massensiedlung) oder zeigte sie als absurden Konflikt von Äußerem und Innerem (minimalistische weiße Würfel, deren absolute Form durch eine Öffnung gestört wird, aus der eine Referenz zur lokalen Tradition strömt – der Duft von Speck).

Džadoň erkennt Konflikte an, ohne dass er sich bemühen würde, die Unterschiede zwischen ihnen zu löschen. Es ist dies eine Geste der Akzeptanz unvereinbarer Gegensätzlichkeiten, der Akzeptanz der postsozialistischen Situation. Wir lesen sie zeitgleich als Annahme, Akzeptanz postmoderner Komplexität in der gegenwärtigen Gesellschaft.

Die Installation auf dieser Ausstellung ist das genaue Modell einer Siedlung, eines typischen Modells sozialen Wohnungsbaus, das für gewöhnlich mit der Ideologie der sozialistischen Ära verbunden wird. (Bis heute stellen nämlich die Wohnungen in diesen Siedlungen knapp die Hälfte des Wohnungsbestandes in Tschechien wie auch in der Slowakei dar).

Dieses Modell ist genau wie das Modell der traditionellen Holzbauten ausgebrannt und erschöpft. Džadoň hat es sich erlaubt, den scharfen Konflikt der beiden erneut auszustellen und verband die traditionelle Technologie der Volksarchitektur mit vorgefertigten Gebäuden. Das Modell einer Siedlung, das mit einer Tapete auf Holzbasis beklebt ist, verweist aufs Neue auf das nicht gelöste Verhältnis von Moderne und Tradition in der gegenwärtigen postsozialistischen Zeit. Zur radikalen Enthüllung dieses Gegensatzes gelangte er mit dem Werk SUPER FLAT, das vor kurzem in der Sammlung Essl ausgestellt war. SUPER FLAT ist eine Wand aus Polyurethan, das Holzbalken imitieren soll und das ganz gewöhnlich bei Bauhaus, Baumaxx, Obi u.a. erhältlich ist. Wenn wir durch die Tür in der Wand schreiten, drehen sich die Balken aus dem Holzimitat mechanisch um 18°, so dass wir nie das Holz der falschen Fassade sehen werden. Die Dialektik des Inneren und Äußeren wird verleugnet, sie verliert ihr Inneres. Der Betrachter wird im Kampf um das Einholen des wahren Gesichtes des Ortes auf die abgewendete Seite gehetzt. Dieses Aufheben des Gegensatzes zwischen der tatsächlichen Form der Sache und ihrer falschen Oberfläche ist ein radikaler Schluss. Es geht hier bereits nicht mehr um traditionelle Werte oder erschöpfte modernistische Utopien der Avantgarde, sondern wir befinden uns auf Dauer zwischen den falschen Kulissen und schreiten in einen leeren Raum. SUPER FLAT ist die Metapher eines untergehenden, konkreten Ortes und eigentlich auch die einer verschwindenden Welt in der postsozialistischen Situation. Gleichzeitig ist es die Veränderung der erlebten Zeit. Wir erleben diese nicht als Übergangsprozess, als schrittweise Änderungen, sondern als augenblickliche Wendung, ähnlich dem Wechsel von Nachrichten in Massenmedien."

Veranstaltungsort:

Herrengasse 17
1010 Wien
Austria

Datum:

Von: 20.02.2008 00:00
Bis: 18.04.2008 00:00

Veranstalter:

České centrum


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