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Programm

15.09.2020 18:30 - 27.11.2020 16:00

Ausstellung: Pavel Baňka | Stille Rituale

Wie hält man etwas fest, das man nicht vollständig versteht? Einer der bedeutendsten tschechischen Fotografen der Gegenwart, Pavel Baňka, verweist auf die einzigartige Fähigkeit der künstlerischen Fotografie, auch das einzufangen, was hinter der Grenze der menschlichen Wahrnehmung verbleibt. In der Ausstellung „Stille Rituale“ führt uns Pavel Baňka durch Traumlandschaften und fordert uns zu dem Versuch heraus, die Grenzen unserer Vorstellungskraft zu verschieben. Mit seinem Schaffen weicht er der Eintönigkeit und sinnlosen Wiederholungen aus. Zu Motiven, welche ihn faszinierten, kehrt er allerdings im Laufe der Jahre zurück und untersucht sie aus neuen, unerwarteten Blickwinkeln.

„Wir wollen unsere eigenen Räume schaffen, reale bis irreale. Denn wo sonst entsteht Freude, wenn nicht dort, wo nichts einfach beschrieben und deshalb ein Erlebnis aus Neugier ermöglicht wird, das seine eigenen Lösungen anbietet, Antworten auf eine bestimmte Provokation belegt im Inneren einer kodierten Aufforderung an den Betrachter.“

Pavel Baňka

Die Ausstellung „Stille Rituale“ ist räumlich und thematisch in zwei Teile aufgeteilt. Im ersten Raum glossiert der Autor seine Beziehungen und Gefühle in Form einer Wandmosaik, zusammengesetzt aus Fotografien in verschieden Formaten: Fragmente und Scherben aus der unmittelbaren Umgebung des Künstlers, welchen die Zeit neue Bedeutungen verlieh. Diese ausgestellten Fotografien erschaffen zusammen eine monumentale Collage, eine gewisse visuelle Poesie, eine intime Beichte. Der zweite Teil der Ausstellung verweist auf den zyklischen Charakter des Schaffens und beschäftigt sich mit metaphysischen Fragen. Das Bemühen um das Festhalten dieser Konfrontation erlaubte das Entstehen von Fotografien, welche die Gefühle aus dem Raum, der den Autor umgibt, manifestieren. Mehrmalige Rückkehr zu Themen, welche sich im Abstand einiger Jahre entfalten, ermöglicht das Vergleichen der Wahrnehmung des Künstlers quer durch die Zeit. Dies erzielt er durch die Auswahl von überwiegend minimalistischen großformatigen Fotografien, welche Bewegung einfangen, eine neue Realität inszenieren und eine weitere Dimension menschlicher Wahrnehmung eröffnen.

Pavel Baňka ist ein Autodidakt. Er fotografierte bereits als heranwachsender Junge, doch gleichzeitig zog ihn auch die Literatur an. Mitte der sechziger Jahre war er zusammen mit Václav Hrabě, Inka Machulková und Vladimíra Čerepková Mitglied einer Dichtergruppe der Beat Generation. Sie traten gemeinsam in der Prager Viola, einer Weinstube, wo Jazz gespielt und an „Text-forum“ genannten Abenden Poesie vorgetragen wurde, auf. Dies fand jedoch mit dem vorzeitigen Ableben Václav Hraběs ein Ende. Die anderen beiden Mitglieder der Gruppe emigrierten bald darauf.  Pavel Baňka konzentrierte sich zunehmend auf eine andere Ausdrucksform, die Fotografie. Gemeinsam mit einem Freund besorgte er sich ein Vergrößerungsglas und begann, sich mit diesem Medium auseinander zu setzen. Bedeutend für sein Schaffen war die Begegnung mit seiner zukünftigen Frau Jindra Viková, welche zu dieser Zeit auf der Prager UMPRUM studierte. Durch das Fotografieren ihrer Statuen und der Werke der anderen jungen Kunstschaffenden begann er für die Zeitschrift „Domov“ zu arbeiten und leistete regelmäßig Beiträge dazu. Bei seiner Tätigkeit für die Kulturrubriken von „Domov“ und „Bydlení“ lernte er die Kulturszene besser kennen. Dank seines Engagements bei diesen Magazinen erlernte er das fotografische Handwerk, wie er selbst sagt. Doch eine perfekte technische Umsetzung wurde nicht zum Ziel seines künstlerischen Weges. Stattdessen begannen ihn bestimmte Formen der Unvollkommenheit, Verzerrung, Unschärfe und Ähnlichem zu interessieren. Nicht nur dank seiner Tätigkeit für die Magazine begann er, sich im künstlerischen Milieu zu bewegen und lernte etliche Maler kennen. So begann er, zu vergleichen, was diese beiden Medien anboten. Die Entscheidungsfreiheit sowohl die Möglichkeit, mit einer weißen Leinwand zu beginnen war für Pavel Baňka reizvoll und auch deshalb begann er, Techniken zu suchen, um Fotografie anders und nicht mehr nur als reines Reproduktionsmittel zu verwenden. Er sah darin ein Medium, das dieselben Möglichkeiten wie eine Pinsel und eine leere Leinwand anbieten konnte. In seinem Frühwerk ließ er sich durch die Avantgarde der Vorkriegszeit inspirieren. In seinen Fotografien kann der Einfluss des Dadaismus und Surrealismus beobachtet werden. Während des Totalitarismus bedeutete die Fotografie für ihn die Flucht aus dem bolschewistischen Grau in einen Raum, wo Verspieltheit, Fantasie und Neugier nicht eingeschränkt und durch Dogmen unterdrückt wurden. Auch nach dem Fall des Eisernen Vorhangs hörte die Fotografie nicht auf, für ihn eine Möglichkeit zu sein, die Grenzen des Verstehens der nahen und ferneren Welt zu verschieben.

Im Jahre 1997 besuchte er zum wiederholten Mal die USA, wohin beide, er und seine Frau, einige Male eingeladen wurden, um an den dortigen Universitäten zu lehren und vorzutragen. In dieser Zeit geschah auch ein Bruch, er begann zum ersten Mal Landschaften zu fotografieren. Wie es Pavel Baňka eigen ist, entstanden keine Fotografien zum bloßen Zweck der Dokumentation. Der Autor bemühte sich, Bewegung und das, was man in der Landschaft nicht erblicken kann – ihre Unendlichkeit – einzufangen. Er gestaltete die Serie „Infinity“. Zum ersten Mal wurde sie in der Galerie Rudolfinum in Prag vorgestellt und danach in einigen bedeutenden Museen der Welt. Typisch für Pavel Baňkas Werk ist, dass er dem Nachbearbeiten der Fotografien mit dem Computer, der sogenannten Postproduktion, ausweicht und stattdessen das Foto durch die reale Wirkung technischer Möglichkeiten des Fotoapparates entstehen lässt. Er verwirft die Postproduktion nicht, allerdings benutzt er selbst sie kaum, lediglich zum Retuschieren oder Verbessern des Farbtons. Alles entsteht im Prozess der Aufnahme. Seine Erkenntnisse und Erfahrung teilte er mit den Studierenden der Fakultät für angewandte Kunst und Design in Ústí nad Labem, wo er über zwanzig Jahre lang das Atelier für Fotografie leitete. Seine Bedeutung für die tschechische Kunstszene und vor allem für die tschechische Fotografie ist gewaltig. Nicht nur dank seiner einzigartigen künstlerischen Ausdrucksweise, welche die Möglichkeiten des Mediums erforscht und seinen lehrenden Tätigkeiten auf der ganzen Welt, sondern auch dank der Gründung der spezialisierten Zeitschrift „Fotograf“ und des gemeinnützigen Zentrum für Fotografie und Gegenwartskunst, eingerichtet zum Ausstellen von Fotografien – vorwiegend denen einer jungen Szene – sowie zur Bildung der kulturellen Öffentlichkeit im Bereich der Fotografie.

Kuratorin: Anežka Jabůrková

Fotografie: Pozdního slunce svit, 2020, diasec technika, 120 x 98 cm.

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Mitte der Sechziger [MD1] Jahre war er zusammen

 [MD1]sechziger/60er

Veranstaltungsort:

Herrengasse 17
1010 Wien
Austria

Datum:

Von: 15.09.2020 18:30
Bis: 27.11.2020 16:00

Veranstalter:

Tschechisches Zentrum


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