Eugen Brikcius Künstlerische Übungen

17. 02. 2021 20. 04. 2021

Die Ausstellung ist gestaltet wie eine Erinnerung an das heute schon legendäre Kunst-Event, das Eugen Brikcius unter dem Namen Die Sonnenuhr (1970) realisierte. Die Land-Art Wahrnehmung der Zeit war der Höhepunkt der „Happenings-Schaffensphase“ des Künstlers in seiner Heimatstadt und der Umgebung. Die geistige Körperlichkeit wurde somit eindrucksvoll beendet und könnte sich in die definitive Wortform verwandeln, die jedoch bis heute nicht aufhörte, sich zu entwickeln. Unter anderem werden für ein besseres Narrativverständnis des Künstlers dem Zuschauer zwei Beispiele der früheren „Übungen“ gezeigt, die aus heutiger Sicht nicht mehr vertretbar durch die kommunistische Polizei gewaltig unterbunden wurden. Zu der Zeit war es eine übliche Reaktion des Machtapparats.

Die Ausstellung wird ab 17.2., dem Tag ihrer Eröffnung, auch online auf unserer Website zu sehen sein.

Der bildende Künstler, Dichter, Schriftsteller und Philosoph wurde in Prag (1942) geboren. Nach der Matura an einem Gymnasium in Prag (1959) wurde er aus politischen Gründen nicht zur Aufnahmeprüfung fürs Studium zugelassen. Er bestritt seinen Lebensunterhalt als Arbeiter und vertiefte nachts seine Bildung. Er beschäftigte sich mit der klassischen Philosophie und in der ersten Hälfte der 1960er Jahren nahm er am heute schon legendärem ökumenischen Seminar in der Prager Kirche V Jirchářích teil, wo ein Dialog zwischen den Denkern verschiedener Bekenntnisse und Meinungen stattfand. Erst nach Jahren wurde ihm ein Fernstudium während der Arbeit erlaubt. In der Zeit hörte er zum ersten Mal das Wort Happening und da er nicht genau wusste, was es hieß, entschied er sich, etwas nach seinen Vorstellungen zu schaffen. Er fing an, für seine Freunde Szenare für die Events vorzubereiten, die er später als Übungen bezeichnete, mit der Begründung, dass sie einen geistig Körperlichen Charakter haben. Die bekanntesten davon sind Achilles und die Schildkröte (1966, Prag, künstlerische Rekonstruktion der 1. Aporie des Zenon), Stillleben mit Halblitern Bier (1967, Kampa, Prag) oder Das Erntedankfest mit Brotleiben (1967, Fürstenberger Garten, Prag), dessen Teilnehmer verhaftet wurden und der Autor eine Woche in Polizeihaft verbrachte. Es folgten Gerichtsverhandlungen. Die von dem Kulturminister ad hoc berufenen Sachverständigen in dem Feld der Happenings, der Kunsthistoriker Jindřich Chalupecký, der Dramatiker Ivan Vyskočil und Schriftsteller Bohumil Hrabal bewiesen, dass es sich um keine Randale, sondern um Kunst handelte. Das Urteil wurde komplett aufgehoben (1967). Brikcius nahm die Einladung von Jindřich Chalupecký an, und wirkte in der Galerie des Václav Špála (1967-1968). Nach der Okkupation 1968 ging er, bereits als renommierter Künstler nach London, um Philosophie zu studieren. Er wollte nicht emigrieren und kam 1970 zurück in die Tschechoslowakei, um in einem verlassenen Bergwerk in der Nähe von Prag die Sonnenuhr zu realisieren. Im Jahr 1973 wurde er zusammen mit anderen drei Künstlern verhaftet und zu acht Monaten Haft verurteilt. Er lernte Latein und fing an, lateinische Poesie zu schreiben. Er war einer der ersten Signatare der Charta 77. Es folgte weitere Schikane von der Polizei. Er nahm ein Angebot von Bruno Kreisky an und zog im Januar 1980 nach Österreich um. In London schloss er sein Studium am University College ab (1982). Er schrieb Gedichte und Kurzgeschichten für Exilperiodiken. Nach der Wende fing er an, Prag zu besuchen. In seiner Muttersprache veröffentlichte er viele Bücher (21). Er wurde mit dem prestigeträchtigen Jaroslav Seifert Preis (2015) und dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst (2017) ausgezeichnet.

  • Kuratorin und Autorin der Ausstellung: Zuzana Brikcius
  • Graphische Gestaltung der Ausstellung: Marek Jodas

Veranstaltungsinformationen

  • Titel: Eugen Brikcius Künstlerische Übungen
  • Datum: 17. 02. 2021 20. 04. 2021
  • Ort: České centrum Vídeň

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